Wärmeversorgung ohne fossile Energieträger

von fraktion

Kassel macht einen großen Schritt in Richtung Wärmeversorgung ohne fossile Energieträger. Die von den Stadtverordneten beschlossene Wärmeleitplanung verfolgt als ein wesentliches Ziel, „dass die Städtischen Werke als Fernwärmenetzbetreiberin ausreichende erneuerbare Wärmeerzeuger vorsehen, um im Kombi-Kraftwerk Dennhäuser Straße bis 2030 den Erdgasausstieg zu vollziehen“. Die Wärmeleitplanung soll als Grundlage und Richtschnur für die vom Land Hessen ab November dieses Jahres sowie vom Bund bis Mitte 2026 gesetzlich geforderte kommunale Wärmeplanung dienen. „Aufgrund der umfangreichen Vorarbeiten und der jetzt vorgelegten Wärmeleitplanung streben Stadt und Städtische Werke jedoch an, bereits bis Ende des Sommers 2024 eine feingliedrige Karte vorlegen zu können, aus der ersichtlich wird, welche Versorgungsoptionen in den einzelnen Stadtbezirken bestehen“, betont Dr.-Ing. Martin Hoppe-Kilpper, Sprecher der Rathausgrünen für Energie- und Klimaschutzpolitik.


Fernwärmeanteil lässt sich verdoppeln

Dadurch bekommen Kassels Bürger*innen bereits zwei Jahre früher als gesetzlich garantiert die Möglichkeit, sich sehr fundiert mit den jeweiligen Versorgungsoptionen auseinander zu setzen. Die jetzt vorliegende Leitplanung basiert laut Hoppe-Kilpper noch auf vorläufigen Berechnungen, die weiter spezifiziert und konkretisiert werden müssen. „Dennoch deuten die Berechnungen an, dass durch Verdichtung und Ausbau des bestehenden Fernwärmenetzes ihr Anteil von rund 20 Prozent des gesamten städtischen Wärmebedarfs auf rund 40 Prozent verdoppelt werden könnte.“ Weitere 20 Prozent des städtischen Wärmebedarfs könnten nach den vorläufigen Berechnungen durch kleinere Quartiers-Nahwärmenetze, vorrangig gespeist aus größeren Wärmepumpen, bereitgestellt werden. „Bei den restlichen 40 Prozent des Wärmebedarfs würden individuelle Lösungen, zum Beispiel in Form von Wärmepumpen, der Nutzung von Bioenergie oder andere klimaneutrale Optionen im Vordergrund stehen.“


Technische und wirtschaftliche Herausforderungen

Die städtische Wärmeleitplanung skizziert darüber hinaus für die Fernwärme einen sukzessiven Brennstoffwechsel hin zu klimaneutralen Energieträgern. Bis zum Jahr 2030 könnten in einem ersten Schritt klimaschonende (Ersatz-)Brennstoffe wie Klärschlamm, Altholz und Rest-Müll für das zentrale Fernwärmenetz verwendet werden. Damit ließe sich bis 2030 die Nutzung von Kohle und Erdgas bei der Fernwärme ersetzen. „Man erkennt bereits an der jetzt vorliegenden groben Leitplanung, dass die skizzierten Szenarien große technische und wirtschaftliche Herausforderungen mit sich bringen, sowohl für die Städtischen Werke als auch für die Bürger*innen. Klar sollte sein, dass wir für beide Seiten die ökonomischen Randbedingungen nicht aus dem Auge verlieren“, erklärt Hoppe-Kilpper. „Veränderungen führen immer zunächst zu Verunsicherungen, weshalb es auch hier sehr entscheidend sein wird, wie gut dieser Prozess kommunikativ begleitet und insgesamt geführt wird.“

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